»Against Cybermobbing« – die Eichendorffschule bringt alle miteinander ins Gespräch

Donnerstag, Februar 2, 2012

Against Cybermobbing Banner
„Against Cybermobbing“ – so der Titel des diesjährigen Schülervertretungstag der Eichendorffschule am 23.01.2012 in Kelkheim. Unter diesem Motto initierte die SV an diesem Tage und darüber hinaus verschiedene Aktionen, die zu einer nachhaltigen Sensiblisierung und gesteigerter Handlungskompetenz beitragen können, wie:

  • Austausch aller Klassenvertreter vor und nach dem gemeinsamen Anschauen des Films Homevideo
  • Offene Podiumsdiskussion unter der Leitung der SV mit dem Schulleiter, der Schulsozialarbeiterin, einem Schulpsychologen, einer Vertreterin der Polizei Kelkheim, sowie mir als Medienpädagogen
  • Vortrag von Günter Steppich
  • Unterzeichnen des Aktions-Banners durch alle Klassensprecher
  • Vorstellung und Verteilung einer gemeinsamen 5-Punkte-Erklärung für alle Klassen
  • Verbreitung der Informationen und Präventionstipps in alle Klassen durch die jeweiligen Klassensprecher

Interaktive Podiumsdiskussion
Der ganze Tag zeichnete sich durch eine sehr gute Organisation und eine hervorragende Vorbereitung auf das Thema aus. Die Leitung (SV) der Diskussionsrunde verstand es sehr gut, das Thema Cybermobbing vielschichtig zu beleuchten.
Schulpsychologe Harald Weber stellte sehr eindringlich die Wechselwirkungen zwischen psychologischen und sozialen Dynamiken rund um den Sozialraum Schule dar. Frau Morgenstern (Polizei Kelkheim) machte die strafrechtlichen Konsequenzen deutlich. Schulsozialarbeiterin Fr. Rosenberg betonte insbesondere die zentrale Rolle der Zeugen und Mitläufer im Mobbingprozess und zeigte konkrete Ansprechpartner auf. Schulleiter Hr. Stender-Mengel machte den Umgang der Schule bei etwaigen Fällen transparent und wirkte sehr interessiert an Prävention, die eben auch soziale Strukturen miteinbezieht.

„Facebook, meine Schüler und ich“
Die Interaktion mit den anwesenden Klassensprechern war sehr lebhaft und von einem konstruktiven Klima geprägt. Insbesondere beim Thema „Umgang von Lehrern und Schülern auf Facebook“ entstand eine spannende Diskussion.
Die stark variierenden Nutzungsmuster der einzelnen Lehrer, sowie das Fehlen von Erfahrungswerten machen eine Orientierung der Jugendlichen auf Facebook schwierig. Muss ich eine Freundschaftsanfrage meines Lehrers annehmen? Sollte man Facebook grundsätzlich für schulische Zwecke nutzen?
Aktuelle Fragen, die wir planen in einer Lehrerfortbilung „Facebook, meine Schüler und ich“ mit der Eichendorffschule zu klären versuchen.

Vortrag von Günter Steppich
Im Anschluß an die Diskussionsrunde fasste Günter Steppich viele Punkte lebendig zusammen und hatte einige konkrete Tipps und klare Ansagen. Er betonte die Bedeutung der präventiven Medienarbeit, die auch Fortbildungen für z.B. Lehrer zwingend miteinschließt, denn „wenn die Polizei ins Boot geholt werden muss, ist vorher alles schiefgelaufen, was schieflaufen konnte“. Zum Ausbremsen von Facebook-Cookies empfiehlt er das Firefox Add-on Ghostery.

Weitere Thematisierung in den Klassen
Die intensive und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema soll nicht an diesem Tage enden. Die Klassensprecher tragen eine 5-Punkte-Erklärung mit in ihre Klassen und nutzen die um über Ihre Erfahrungen des SV-Tages ausführlich zu berichten.
Die 5-Punkte der Erklärung sollen eine grundsätzliche Einstellung sowie konkrete Handlungaufforderungen transportieren:

  1. Wir sind gegen jede Form von Mobbing
  2. Cybermobbing ist feige und verletzend
  3. Wir pflegen on- und offline einen respektvollen Umgang
  4. Falls ich mich verletzt fühle, wende ich mich an Vertrauens-, Klassenlehrer und die Schulsozialarbeit
  5. Falls ich Mobbing bemerke, informiere ich Vertrauens-, Klassenlehrer und die Schulsozialarbeit

Positives Tagesfazit
Ganz grundsätzlich möchte ich exemplarisch 3 positive Punkte des Tages aufzeigen:

  • die Loslösung von einer Täter-Opfer-Schablone in der Auseinandersetzung mit Mobbingprozessen
  • die Gestaltungskraft einer gut organisierten und interessierten SV, die von Ihrer Schule die entsprechende Unterstützung und Freiräume bekommt
  • die Offenheit der Schule, nach Innen und Aussen aktiv und gemeinsam soziale Normen im Umgang mit Medien zu entwickeln

Ausblick
Ich denke und hoffe, dass dieses Thema nachhaltig in das Bewusstsein der Schule verankert wurde und weitere Veranstaltungen, auch für Eltern und Lehrer, folgen werden.
Ein Peerkonzept, welches ausgebildete Schüler als Ansprechpartner in den Klassen installiert, kann zu einem nachhaltigen und selbstorganisiertem Umgang beitragen.

Diesen Bericht habe ich für SicherDeinWeb geschrieben und dort zuerst veröffentlicht.
Fotos: SV der Eichendorffschule

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