Wie passen soziale Netze und persönliche Daten zusammen? Teil I

Sonntag, Januar 23, 2011
Visualisierung der globalen Freundschaftsbanden auf Facebook ©Paul Butler

Visualisierung der globalen Freundschaftsbanden auf Facebook ©Paul Butler

Das neue Facebook Zwangsprofil macht es mir noch einfacher: Das Zerlegen der Freundeshorde in Untergruppen. Eine konsequente Weiterentwicklung, stellt das bisherige Zusammenwürfeln aller Verbindungen doch das traditionelle Konzept von Freundschaft auf die Probe. Das Teilen von exklusiven Informationen, Intimität, erweitert sich in sozialen Netzen auf größere Kreise.
Mit wem teilt man was?
Kann ich eine digitale Freundschaftsfrage ablehnen ohne die Betroffenen analog zu verärgern? Kann ein Lehrer einen Schüler oder ein Mitarbeiter seinen Kollegen ablehnen, ohne in Erklärungsnöte zu kommen?

Klassifizieren um zu kommunizieren

denkbare Klassifierzierungen auf ein Nutzerprofil

denkbare Klassifierzierungen auf ein Nutzerprofil

Um in der vernetzten, nicht-flüchtigen Welt von sozialen Netzwerken ein Stück weit zugeschnittener Kommunizieren zu können, muss ich meine Beziehungen klassifizieren und ordnen.

Durch die Einteilung meiner Freunde in Gruppen gebe ich der Öffentlichkeit und meinem Betreiber, z.B. Facebook detaillierte Auskünfte über die Art meiner Beziehung. Ob Familie (mit Präszisierungsmöglichkeit), Partner, Kollegen, Freunde, Bekannte oder selbstbeschriebenes Verhältnis: Damit Sie die passenden Zugriffsrechte bekommen können, müssen alle in den jeweils passenden Topf.

Viele persönliche Daten hat man nicht exklusiv

Dabei ist meine Verbindung natürlich auch immer die des Anderen. Somit fällt es schwer, Persönliche Daten in Netzen zu wahren. Vorsichtige Nutzer, die nichts angeben wollen, werden von den durchschnittlichen 130 FB-Freunden sozial kartographiert.
Angelehnt an die globale Karte der Facebookfreundschaften, könnte auch jeder Nutzer mit seinen Verbindungen in dieser Form graphisch dargestellt werden. Dabei könnte nicht nur jede Verbindung enthalten sein, auch die Ausgeprägheit der jeweiligen Verbindung ließe sich über eine Auswertung von Parametern wie beispielsweise dem Umfang persönlicher Nachrichten, Profilbesuche, Pinnwandeinträge, Gefällt-mir-Button-Klicks usw. in solch eine Karte einbauen.

Ob es für solch ein Szenario die Zustimmung des Nutzers braucht oder ob ein Widerspruch möglich ist, wird der jeweilige Betreiber definieren. Technisch ist solch eine Möglichkeit der Selbstbestimmung unproblematisch, oftmals stehen solche inhaltlichen Begrenzungsmöglichkeiten allerdings dem Geschäftsmodell des Betreibers entgegen.
Freunde
(bestätigte Kontakte) haben in sozialen Netzwerken also oftmals die Möglichkeit, die Grenze zwischen persönlichem und öffentlichem einzureissen.

Ansätze für den Nutzer

Auch wer sein persönliches Soziogramm nicht selbst veröffentlichen möchte, sollte bei der Nutzung von sozialen Netzwerken im Hinterkopf haben, dass es eben nicht nur in seiner Hand liegt.

Neben dem Ansatz der Totalverweigerung, bei dem man aber die Potentiale der Medientechnik „Soziale Netze“ verpasst, gibt es mindestens zwei Ansätze, die man als selbstbewusster und kritischer Nutzer der sozialen Medien beachten sollte:

a) Wägen Sie die Betreiber der jeweiligen sozialen Netze und Ihre Ziele ab.
Welchem Unternehmen wollen Sie was zugänglich machen? Welchen Grad an Selbstbestimmung ermöglicht mein Anbieter?

b) Sprechen Sie mit Ihren Freunden darüber, welche Art von Information über Sie geteilt und welche nicht veröffentlicht werden sollen. Sprechen Sie darüber, ob Sie einverstanden sind, dass andere Ihre Beziehung zu Ihnen definieren.
Was möchten Ihre Freunde für einen Umgang mit Ihnen erleben?

Insbesondere mit den neuen Möglichkeiten wie Facebook Places und der kommenden Facebook-Gesichtserkennung auf Fotos ergeben sich knifflige Fragen in vielen Punkten, die auch schon im heutigen Umgang miteinander zunehmend an Bedeutung gewinnnen.

Diesen Beitrag habe ich zuerst auf www.sicherdeinweb.de veröffentlicht.

Weitere Linktipps: http://www.delicious.com/medienpaedagoge/Datenschutz

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