Wie passen soziale Netze und persönliche Daten zusammen? Teil II – Google+ vs Facebook

Samstag, September 10, 2011

Neue Medientechnologien wie soziale Netzwerke haben einen großen Einfluss auf unser Sozialverhalten. Die Funktionsstruktur der jeweiligen Netze gibt zwar den Rhythmus vor, dennoch liegt es an uns Nutzen, was wir daraus machen. Die im ersten Teil der Reihe aufgeworfenen Fragen wurde bisher nur unausgesprochen beantwortet:

Kann ich eine digitale Freundschaftsfrage ablehnen? Kann ein Lehrer einen Schüler oder ein Mitarbeiter seinen Kollegen ablehnen, ohne in Erklärungsnöte zu kommen?“

Zeit für eine Aktualisierung, die auch das neue Netzwerk Google + mit einbezieht und auf die speziellen Strategien von Pädagogen eingeht.

Google + gleicht bei Freundschaftsanfragen Twitter

Quelle: technobombs.com

Google+ ist insbesondere in einem Punkt ein starkes Kontrastmittel zu Facebook. Freundschaften bei Facebook sind beidseitig, beide sehen die Aktualisierungen des Anderen (falls nicht in den Privatsspähre-Einstellungen abgeriegelt). Google+ lehnt sich in dieser Frage an die Funktionsstruktur von Twitter an. Nutzer A kann Nutzer B „Folgen“, ohne das zwangsweise Nutzer B auch die Aktualisierungen von Nutzer A zu sehen bekommt.

Facebook mit Vollzugriff auf persönliche Daten

Nach Facebooks innerem Design lautet die Antwort auf die oben aufgeworfene Frage: „Ja klar“. Das Befreundet-sein auf FB ist quasi ein Vollzugriff auf alle eingestellten Daten wie Profilinformationen, Fotos, Kommentare usw. Erst spät und auf Wunsch vieler Nutzer ermöglichte es FB, Freunde zu gruppieren und gezieltere Kommunikation zu ermöglichen.

Eben dies hat Google+ deutlich handlicher in sein Design integriert. Die Handhabung der Circles ist deutlich intuitiver als Facebooks Listen-Menu.
Nun bessert Facebook deutlich nach. Die vergangenen Änderungen und die absehbaren kommenden stellen das Prinzip der Listen deutlicher heraus.

Sollten mehr Nutzer dieses Prinzip annehmen und Ihre Freunde sortieren, ist ein stärker Trend zum „Add all“ erwartbar. Es obliegt stärker der Eigenverantwortung des Senders, die Empfänger den Inhalten anzupassen. Dennoch denke ich, dass es nach wie vor vollkommen legitim ist, Freundschaftsanfragen nicht anzunehmen. Die Verknüpfung zweier Profile ist mehr als die Frage „Wer sieht was?“. Das komplette Offenlegen seines sozialen Graphen, selbst wenn es „nur“ seinem Anbieter gegenüber ist, ist kein Zwang.

Neben dieser grundsätzlichen Überlegungen gibt es für jede Beziehungsart Besonderheiten.

Lehrer auf Facebook

Die pädagogische Nähe-Distanz-Balance wird in sozialen Netzwerken neu justiert. Auf einem Barcamp mit Lehrern haben meine Kollegen von SicherDeinWeb neulich mit Lehrern über ihre perönlichen Facebookstrategien diskutiert. Manche Lehrer nutzen trennen strikt zwischen Klassenraum und der Welt ausserhalb, andere nutzen Ihre Klarnamenprofile auch für Lehrertätigkeiten ausserhalb der Schulzeit.
Wie es auf jeden Fall nicht geht, zeigt dieser Artikel
Etwas konstruktiver blickt dieser Artikel auf die vielfältigen Fragen im schulischen Umgang auf sozialen Netzewerken.

Die anhaltende Debatte um Klarnamen, Pseudonyme und Anonymität im Netz, welche Google+ mit seinem Klarnamenzwang mitgestaltet, bildet zur Freundesfrage einen interessanten Bezugsrahmen.

Adden Sie bewusst alle Anfragen? Lehnen Sie welche ab? Fühlen Sie sich dann unter Rechtfertigungszwang? Wie gehen Sie als Lehrer mit sozialen Netzwerken um?

So geht es weiter:

Im kommenden dritten Teil lege ich den Schwerpunkt auf Fotos in sozialen Netzwerken, welche durch die Weiterentwicklung der Geschichtserkennung an Bedeutung gewinnen.

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