Aus: Info3 - Oktober 2012

Aus: Info3 - Oktober 2012

Das Magazin Info3 widmet sich in der Oktober-Ausgabe dem Thema “Schöne blaue Welt: Facebook und die Sehnsucht nach Verbundenheit”. Der Artikel “Facebook, meine Familie und ich” beinhaltet ein Interview mit mir und Praxistipps.
Der Artikel wurde mir freundlicherweise von Info3 zur Veröffentlichung überlassen, Sie können den vollständigen Artikel als PDF-Datei hier abrufen.
Diesen Artikel habe ich ebenfalls auf www.sicher-dein-web.de veröffentlicht.

Wie die Zeit vergeht und die Informationen so reintrudeln:
Nach dem ersten Meilenstein von 1001 Links sind nun nach 28 Monaten Sammelei auf Delicious bereits 2500 medienpädagogische Links gelistet.

Kleine Statistik zu den Tags:
- Bisher habe ich ca 440 Tags vergeben
- Die 3 meist genutzten Tags sind bisher: Zukunft (929), Nutzungsverhalten (625) und Facebook (608)

Die chronologische Liste der Links gibt es hier, die nach Schlagwörtern sortierte hier.
Für feine Recherchen können beliebige Tags auch kombiniert werden. “Facebook” + “Lehrer” zeigt alle Links, die beide Schlagwörter haben.

Gutes Recherchieren und natürlich freue ich mich über weitere Linktipps!

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Für die ZDF-Sendung WISOplus (Erstauststrahlung am 17. 04. 2012 auf ZDFinfo / Link zur Mediathek) ergab sich ein kleines Interview zum Thema selbstbestimmte Mediennutzung. Wie beim letzten Kurzinterview zu Apple stelle ich hier gerne meine Grundgedanken schriftlich dar. Die Fragen haben ich für die Lesbarkeit sinngemäß selbst gesetzt.
Gregory Grund im Interview

FRAGE: Das Internet ermöglicht uns über PC und Smartphones vielfältige Informations- und Kommunikationskanäle. Diese können sehr bereichernd sein, werden aber auch Ablenkung empfunden. Im Büro klagen viele Kollegen, dass ihre gefühlte Produktivität sinkt und sie sich schlecht auf eine größere Aufgabe einlassen können. Haben Sie Tipps für den Arbeitsalltag am PC?

ANTWORT: Priorisieren Sie Ihre Aufgaben und überlegen Sie: Brauche ich dazu Ruhe? Was lenkt mich am PC eigentlich ab?  Nutzen Sie Programme zum Nachverfolgen der eigenen Aktivitäten auf dem PC, die dann z.B. angeben, wie viel Zeit „nebenbei“ auf Facebook verbracht wird. Das hilft eigene Muster zu erkennen und ist die Basis, um eigenverantwortlich sein Kommunikationsverhalten zu gestalten.
Tools dazu gibt es in verschiedenen Varianten, eine Übersicht gibt es z.B. hier.
Eine Folge können Zeiten sein, in denen man bewusst nicht über Mail und Telefon erreichbar ist. Sprechen Sie das mit den Kollegen und mit dem Betrieb ab, um die Akzeptanz zu erhöhen.

FRAGE: Gut, wenn ich nun im ersten Schritt reflektiere, wie ich meine PC-Alltag gestalte und wohin ich gerne abschweife: Was hilft mir das? Die Fülle an Informationen, die tagtäglich auf uns einprasselt, mindert sich dadurch doch nicht, oder?

ANTWORT: Das Drohbild der „Informationsüberflutung“ wird schon lange mit dem Aufkommen neuer Medientypen bemüht und zeigt uns deutlich:
Es ist entscheidend, wie wir unsere Informations- und Kommunikations-Ströme inhaltlich und zeitlich filtern, kurz: wie wir das Wichtige vom Unwichtigen trennen.
Konkret bedeutet dass: Vermeiden Sie ständige Orientierungsbewegungen, in dem Sie zum Beispiel zwei fixe Emailsprechzeiten am Tage einrichten, zb. zu Beginn des Tages und nach dem Mittagessen. Vermeiden Sie wo es geht akkustische und visuelle Benachrichtigungen, die Sie aus Ihrer aktuellen Tätigkeit rausholen. Schließen Sie am besten auch alle Programme und Browsertabs, die Sie für Ihre Tätigkeit nicht brauchen.
Und nutzen Sie Pausen auch als Pausen.
Das ständige Suchen und Folgen von neuesten Informationen erschwert es uns konzentriert an einer Sache zu bleiben. Arbeitstechniken wie das Pomodoro-Konzept helfen uns, Aufgaben zu strukturieren.

© http://www.pomodorotechnique.com/

FRAGE: Während der Arbeit wird privat gesurft, nach Feierabend laufen weiterhin dienstliche E-Mails und Anrufe ein. Wie kann ich Arbeit und Privatleben auch technisch trennen?

ANTWORT: Die klare Trennung von Dienst und Privat fällt in vielen Bereichen zunehmend schwer. Am einfachsten fällt es die Trennung zu gestalten, wenn die Kommunikationskanäle nicht vermischt sind, also zwei unterschiedliche Geräte und Mailadressen benutzt werden.
Viele Smartphones ermöglichen auch eine Kontaktverwaltung, die bei der Differenzierung hilft. Sie können einzelne Kontakte in Gruppen sortieren und diesen Gruppen individuelle Möglichkeiten zuweisen: Freunde dürfen Sie immer erreichen, berufliche Kontakte werden nach 20 Uhr direkt an die Mailbox weitergeleitet. Android Smartphones scheinen im Gruppenmanagement flexibler, für das iPhone gibt es im Moment nur Lösungen über Umwege oder eine zweite Sim-Karte.
Selbstdisziplin ist von Nöten und fällt dann besonders leicht, wenn es klare Absprachen im Betrieb gibt.

FRAGE: Haben Sie einen abschließenden Tipp?

ANTWORT: Wir dürfen uns nicht von Technologe treiben lassen, sondern können diese bewusst nutzen, um betriebliche und persönliche Ziele zu verfolgen. Wir müssen stets neu lernen, Technik als unseren Dienstleister zu verstehen und zu gestalten.

Elternworkshop mit SicherDeinWeb

Seit Ende 2010 bietet SicherDeinWeb mit dem Jugendschutz Frankfurt/M und dem Stadtelternbeirat Frankfurt/M für Eltern Workshops zum Thema  “Medienerziehung heute – So richte ich Computer & Handy kindgerecht ein” an.
Exakt diesen Themen behandelt Marcel Rechlitz in seiner Abschlußarbeit und bat uns zu einem Interview. Mit seiner freundlichen Genehmigung teilen wir es gerne hier.

1. Sie bieten unter anderem Workshops und Vorträge für Eltern an, in denen Sie den Einsatz von PC-Kindersicherungen in der Medienerziehung thematisieren. Stellen Sie sich, ihre Arbeit und deren Grundsätze bitte kurz vor.

Mein Name ist Gregory Grund und ich bin Medienpädagoge. Ich arbeite mit einer Hälfte am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt und bin dort Lehrbeauftragter für den Bereich „Neue Medien“. Auf der anderen Hälfte arbeite ich selbstständig mit zwei Kollegen unter dem Namen SicherDeinWeb. Unser Ziel ist es, im Kontext medienpädagogischer Fragen zu sensibilisieren, Fachwissen zu vermitteln und handlungsorientiert die Entwicklung eigener Strategien zu unterstützen.  Dazu bieten wir Workshops, Beratung und digitales Lernmaterial zu Themen wie Kindersicherungssoftware, Cybermobbing, Selbstdarstellung in sozialen Netzen etc  für Eltern, Jugendliche, Schulklassen sowie Unternehmen und Einrichtungen an. Unsere Absicht ist es, Orientierung in den sehr dynamischen digitalen Welten zu geben und dabei technische und kommunikative Tipps in eine individuelle Strategie direkt umsetzbar zu machen.

2. Wie gestalten Sie Ihre Veranstaltungen zum Thema „Kindersicherung“? Stehen technische, pädagogische oder rechtliche Aspekte im Mittelpunkt?

Alle drei Aspekte spielen in diesem Workshop eine Rolle. In den vier Stunden führen wir zunächst in kindliches und jugendliches Nutzungsverhalten am PC ein und lernen dabei vor allem die teilnehmenden Eltern kennen. Wir versuchen direkt individuelle Herausforderungen zu identifizieren und bringen auch die Eltern mit Ihren Erfahrungen miteinander ins Gespräch. Beim Nutzungsverhalten spielen dann auch rechtliche Aspekte eine Rolle, insbesondere wenn es um Urheberrechtsverletzung durch Filesharing und Abofallen geht. Nach der Hinleitung installieren die Eltern begleitet auf ihren mitgebrachten Laptops die Kindersicherungssoftware und lernen die Hauptfunktionen (Nutzungszeiten, Netzinhalte und Programme einstellen)  und deren Möglichkeiten kennen. Es ist aber sicherlich nicht primär eine Softwareschulung, uns ist wichtiger, dass die Eltern die Möglichkeiten für ihre Erziehungsstile begreifen und sich über eine sinnvolle Strategie mit den anderen Eltern verständigen. Den Abschluss bilden dann Anregungen für das Eltern-Kind-Verhältnis: Welche Anlässe gibt es, um Mediennutzung in der Familie zu besprechen? Wie kann ich mein Kind aktiv begleiten und mit ihm reflektieren? Wie kommuniziere ich, damit meine Botschaften verständlich ankommen?

©SicherDeinWeb Florian Borns mit Eltern

3.Welche Eltern besuchen ihre Veranstaltungen zu den Themen Medienerziehung und „Kindersicherung“?

Grundsätzlich Eltern, die bereits ein Stück weit für die Medienerziehung sensibilisiert sind und sich selbst auch ein gewisses technisches Geschick zutrauen. Das kann Interesse an der Weiterbildung sein, manche haben auch bereits einen bestimmten Einsatzwunsch resultierend aus ihrer aktuellen Situation. Auffallend ist, dass viele Eltern relativ alte Kinder haben. Ich persönlich sehe die effektivste Nutzung dieser Software bei der Begleitung der ersten Schritte am Rechner, momentan also wahrscheinlich mit 5-6 Jahren und im Grundschulalter. Schwierig wird es, wenn ein 15-jähriger Jugendlicher nach jahrelangen, unreglementierten Netzzugang in ein enges Korsett gesteckt werden soll. Idealerweise begleitet die Software von Beginn an die Netznutzung und kann dann sukzessive abgebaut werden.

Viele Eltern haben auch sicherlich den Wunsch nach Austausch und möchten andere Eltern und ihre Strategien in den gleichen Situationen kennenlernen.

4. Welche Ängste und Probleme äußern Eltern nach Ihrer Erfahrung in Bezug auf die Mediennutzung ihrer Kinder? Welche Hilfen wünschen sie sich?

Die neuen Medien stellen Eltern auf eine ganz besondere Herausforderung, da sie nicht auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen können und ihre Kinder oftmals als deutlich versierter erleben. Ein zentraler Punkt sind die Nutzungszeiten und deren Einhaltung. Zeitliche Vorgaben muss jede Familie für sich entwickeln, dabei hilft der Austausch mit anderen.

Bei der Umsetzung kann die Software sehr gut unterstützen, da zeitliche Limits für PC- und Internetzeiten festgelegt werden können und der PC dann runterfährt. Das Drohen und der Schwarze Peter “du, ich ziehe gleich das  Stromkabel” kann so elegant auf die Software delegiert werden. Interessant dabei ist vor allem auch das TAN-System, mit den Kinder vorher definierte Kontingente selbstständig über die Woche verteilt einlösen können. Das fördert das Wahrnehmen von aufgewendeter Zeit sowie die eigenständige Einteilen.
Das zweite Problemfeld sind Urheberrechtsverletzungen sowie Abofallen. Einige Risiken lassen sich mit der Software und dem Vermitteln einer grundsätzlichen Datensparsamkeit für Kinder minimieren. Zusätzlich ist es natürlich unerlässlich, dass sich die Eltern interessieren und informieren. Es ist weder für Kinder noch Eltern einfach nachzuvollziehen, welche Quellen für Musik und Filme legal sind, der Markt ist da sehr dynamisch, die Rechtssprechung teils unklar. Wichtig ist, mit den Kindern über Quellen zu reflektieren und sich über die Grundlagen zu informieren.
Hier braucht es sicherlich nachvollziehbare Informationen für Eltern. Viele sind mit den technischen und juristischen Feinheiten (Was sind P2P-Netzwerke und was ist der Unterschied zu einem Stream? Warum ist das eine Portal legal, dass andere aber nicht?) nicht vertraut.
Dann spielt natürlich die Konfrontation mit ungeeigneten Inhalten über das Netz eine große Rolle in den Befürchtungen der Eltern. Gewalt, Pornographie, Extremismus, Glücksspiel und Werbung sind dabei oft genannte Bereiche. Viele Eltern wünschen sich dabei insbesondere für junge Kinder einfache Filter, die Seiten mit diesen Inhalten aus dem Surferlebnis Ihrer Kinder fernhalten. Diese Sicherheit kann nie zu 100% gewährleistet werden, das wirkungsvollste Werkzeug der Eltern ist immer die Dialogbereitschaft, die Begleitung von medialen Erfahrungen und die Möglichkeit für Kinder, über Erlebnisse sprechen zu können. Einen Großteil unerwünschter Seiten lässt sich mit Kindersicherungssoftware über Filter nach Themen in Kombination mit  Black- & Whitelist filtern. Wichtig ist dabei für Eltern, dass diese Filter fliessend an die Entwicklung des Kindes angepasst werden sollten.
Die aktuellen Ansätze des JMStVs spielen in der Lebenswirklichkeit der Eltern in unseren Workshops keine Rolle und sind auch nicht groß bekannt.

SicherDeinWeb im Elternworkshop

5. Elterliche Medienerziehung erfordert elterliche Medienkompetenz. Was sind Ihrer Meinung nach diesbezüglich die größten Defizite von Eltern. Welche Lösungen sehen Sie?

Medienerziehung erfährt täglich eine zunehmende Bedeutung. Eltern mit Interesse an der digitalen Lebenswelt und der Bereitschaft sich lebenslang selbstgesteuert mit neuen Techniken auseinanderzusetzen, haben schon sehr gute Voraussetzungen. Alle Eltern müssen für sich auch eine Position beziehen und diese auch fortlaufend mit Ihren Kindern diskutieren. Wir müssen Ihnen helfen, diese Positionen zu finden und Sie dabei unterstützen, Sie auch gelebt in die Familien zu bekommen. Die Vernachlässigung bis Aufgabe von Medienerziehung, welche oftmals aus Unsicherheit und fehlendem Vertrauen in die elterliche Kompetenz wächst, macht unreflektierte Extremnutzungen möglich.

Konkrete Defizite haben wir bei diesem dynamischen Themen alle, Eltern haben oftmals Aufholbedarf im grundlegenden Umgang mit der Technik und mit den gesellschaftspolitischen Auswirkungen des Internets. Viele Eltern bemerken an sich selbst das Muster des ewigen Mahners, der stets vor den Gefahren warnt. Dabei ist auch das positive Vorleben von eigenen Mediennutzungsstrategien essentiell für die Ausbildung von Medienkompetenz bei Kindern. Das gilt für bekannte Medien wie dem Fernseher und noch mehr für die vielen neuen Möglichkeiten des Netzes.
Zugespitzt ist die Lösung, nicht nur für medienpädagogische Themen, stets Lernen. In unserer Wissensgesellschaft mit ihren sich schnell wandelnden Anforderungen an uns, brauchen wir zunehmend die gelebte Kultur des lebenslangen Lernens. Dies kann nicht nur mit im Netz publizierten Infomaterialien funktionieren, Lernen ist Kommunikation. Es braucht mehr Treffpunkte und Fortbildungen auch für Eltern. Neben selbstorganisierten Veranstaltungen sehe ich auch Verantwortung bei Unternehmen sowie der Politik auf allen Ebenen. Manche Einrichtungen und Unternehmen bieten Ihren Mitarbeitern bereits Elternweiterbildungen. Da sind medienpädagogische Themen oftmals doppelt relevant, ein Thema wie Passwortsicherheit nutzt auch im Berufsalltag.

6. Mediennutzung innerhalb der Familie ist eingebettet in den Erziehungsstil der Eltern. Die Unterstützung durch Kindersicherungen kommt manchen Erziehungsstilen mehr entgegen als anderen. Was raten Sie Eltern für den Einsatz einer solchen technischen Lösung?

Grundsätzlich ist die Kindersicherungssoftware eine flankierende Maßnahme in der Gesamtstrategie und auf keinen Fall ein Art Autopilot, der die Medienerziehung ersetzt. Wie umfangreich und in welcher Art sie genutzt wird, kann ganz auf den individuellen Stil angepasst werden. Zentral für uns ist, die Software als regelmäßigen Gesprächsanlass in der Familie zu nutzen. Wie kommt man mit der Zeit zu recht, welche neuen Seiten interessieren die Kinder und sollen freigeschaltet werden? Es gibt auch gute Gründe, warum die Software auf für die Kinder eine Bereicherung ist. Wir  raten dazu, die Software nicht „von Oben herab“ aufzudrücken, sondern direkt Verständnis für die Maßnahme zu fördern. Verständlicherweise wirkt die Software als ein starkes Kontrollinstrument, eine Facette, die viele Eltern in ihrer Strategie nicht überbetonen wollen. Auch hier gibt es Gestaltungsraum, viele Eltern nutzen zum Beispiel bewusst die Report-Funktion nicht, die genauer über das Nutzungsverhalten des Kindes Aufschluß gibt.

7. Viele Veranstaltungen zu Fragen der Medienerziehung sind darauf angewiesen, dass Eltern aktiv die Teilnahme an ihnen suchen. Es gibt jedoch auch Eltern, die mit klassischen Angeboten nicht erreicht werden können. Welche Konzepte gibt es, auch schwer erreichbare Eltern für Themen der Medienerziehung zu sensibilisieren?

Richtig, hier zeigen sich die Grenzen von Onlinematerialien und Infobroschüren. Diese kommen an, wenn Sie über persönliche Kontakte und mit begleitenden Gesprächen angeboten werden können und reichen bei Weitem nicht aus. Einrichtungen wie die Erziehungshilfe können sehr wertvolle Partner sein, da Sie direkt in den Familien für Fragen der Medienerziehung sensibilisieren können. Das medienpädagogische Workshopangebot im Rhein-Main-Gebiet ist leider sehr überschaubar. Insbesondere, wenn Sie mit relativ hohen Teilnahmegebühren verbunden sind.
In Frankfurt sind unsere Workshops zur Kindersicherungssoftware Dank der Unterstützung des Stadtelternbeirats für finanzschwache Eltern sogar kostenfrei.

8. Erziehungsberatung bewegt sich zwischen Erwachsenenbildung und Jugendhilfe. Je nach Schwerpunkt und Zielgruppe sind unterschiedliche Ansätze und Institutionen darin involviert. Wie gestaltet sich die Kooperation von Jugendhilfe, Bildungs-/Erziehungseinrichtungen und Erwachsenenbildung in Bezug auf die medienpädagogische Erziehungsberatung?

In Frankfurt gibt es zumindest Schnittstellen in Form von Weiterbildungsmöglichkeiten. Über den präventiven Jugendschutz Frankfurt werden viele Angebote gemacht. Einrichtungen der Jugend- und Erziehungshilfe holen sich vermehrt für aktuelle Themen auch externe Experten für Teamfortbildungen ins Haus.

9. Wo bestehen diesbezüglich Bedarfe und Potenziale für die Zukunft? Welche Rolle muss Familienbildung in Bezug auf die Medienerziehung und Jugendmedienschutz spielen?

Jugendmedienschutz kommt durch die globale Struktur des Netzes schnell an Wirksamkeitsgrenzen. Das Potential ist sicher noch nicht ausgeschöpft. Neben dem Verhindern von altersungemäßen Inhalten, ist es aber zunehmend wichtig, Familien als Schutz- und Reflexionsraum zu stärken. Eine Intensivierung der Elternarbeit von Einrichtungen wie Schulen und Kindertagesstätten kann benötigte Allianzen bilden und auf die Herausforderungen der Medienerziehung eingehen. Für kompetente Medienerziehung sind niedrigschwellige Weiterbildungs- und Austauschangebote für Eltern zentral. Neben politischen Initiativen und Kampagnen zu Sensibilisierung erhoffe ich mir auch zunehmend Netzwerkeffekte. Je mehr Eltern sich die offenen Fragen und Ihre Verantwortung bewusst machen und darüber mit anderen Eltern sprechen, desto besser ist die Grundlage für alle Unterstützungsangebote.

Die Fragen beantwortete Gregory Grund für SicherDeinWeb.
Auch in diesem Jahr führen wie die Workshopreihe fort, die nächsten Termine in Frankfurt am Main sind am 05. 05. / 23. 06 / 08. 09 / 03. 11 und am 08. 12. 2012.

Die Bachelorarbeiten des Wintersemesters 2011-12 sind geschafft, meinen Glückwunsch an alle Absolventen. Wie gewohnt stelle ich hier gerne die medienpädagogischen Themen vor, 2 Arbeiten gibt es als kompletten Download für alle Interessenten.

Medienkompetenz im Elementarbereich: Konzepte, Praxis, Perspektiven / von Florian Erb
Über die Begriffe Kindheit, Medien und Medienkompetenz führt die Arbeit in die Betrachtung von Medienkompetenzvermittlung & Medienerziehungskonzepten für Kindergärten.

Computerspielabhängigkeit bei Jugendlichen: Erscheinungsformen, Diagnostik, Interventions- und Präventionsmöglichkeiten / von Melanie Zahn
Grundlage bilden die Begriffe Computerspiele und abhängiges Nutzungsverhalten, um im Hauptteil pädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten zu vorzustellen. Aus der Praxis wird das Infocafe Neu-Isenburg vorgestellt.

Weitere Themen in dieser Prüfungsphase waren:

- Herausforderung Medienerziehung am Beispiel der Begleitung von Kindern in die Computer- und Interneteinführung im Alter von sechs bis 13 Jahren.

- Medienerziehung – Kindersicherungssoftware als unterstützende technische Maßnahme

- Digitale Medien in Grundschulen – Voraussetzungen und Einsatzmöglichkeiten

- Der Einsatz von mobilen Lernprogrammen in der Aus- und Weiterbildung

- Medienkompetenz im Kindesalter – Eine erzieherische Herausforderung für Eltern und Erzieher

- Gewaltige Zeiten? Zum Einfluss medialer Gewalt auf die Entstehung realer Gewalt bei Jugendlichen

Ich bedanke mich für den Input und freue mich auf weitere spannende Arbeiten im kommenden Semester!

Der Frühling steht vor der Tür, das Wintersemester ist Geschichte. Zeit, sich mit dem Wirken der Etherpads auseinanderzusetzen. Im ersten Teil erfahren Sie mehr über das mediendidaktische Settings des Seminars.

Einstieg

Nach 3 Sitzungen mit Inputs von mir sowie der handlungsorientierten Einführung in die Blog-Software konnte das Experiment beginnen. Als eben solches angekündigt, führt ich zu Beginn eines Teilnehmerreferats in die Technik der Etherpads ein. Dabei skizzierte ich auch die Nutzungsmöglichkeiten “kollaboratives Protokoll” im Hauptfenster und “Nebenfragen” im Chatfenster, appellierte aber auch an die Experimentierfreude der Teilnehmer.
In dieser Sitzung waren ca. 80 Studierende anwesend und der Großteil stürmte auch direkt ins Pad.
Hier offenbarten sich bereits einige Technikherausforderungen:

  • Ab ca. 30 zeitgeleichen Nutzer kam es zu Schwierigkeiten mit der Synchronität, oftmals musste der Nutzer die Seite neu laden. Ursachen können auch beim WLAN liegen oder des großen Zugriffs über die selbe IP geschuldet sein. Keinem der gut 60 ausprobierenden Teilnehmern blieb der Padzugriff verwehrt, die Performancenachteile verteilten sich auf alle Nutzer.
  • Teilnehmerrückmeldungen nach gab es mehr Probleme mit dem Internet Explorer als mit dem Firefox
  • In der von mir benutzen Version gibt es 32 verschiedene Farben, die Nutzern zugeordnet werden. Diese kamen dann natürlich auch doppelt vor, was die bereits existierende Farbverwirrung noch vergrößerte.

Ich forderte alle Teilnehmer auf, sich bei Interesse durch Fragen und Mitschriften zu beteiligen und betonte, dass die Farben bzw. die Autorenschaft für uns eher nebensächlich sind. Die inhaltliche Hauptarbeit des Protokollierens und Anreicherns übernahm ich. Leider, wie ich noch ausführen werde.

Die Beteiligung der Teilnehmer war sehr groß, wobei ca. 60-70% der Beiträge Fragen waren. Diese bezogen sich oft auf das Thema und waren Verständnisfragen, Literaturwünsche und auch Diskussionsimpulse. Manche beantwortete ich direkt im Pad, Impulse für die Gruppe verbalisierte ich an die Referatsgruppe zurück, die während der Sitzung selbst nicht mit dem Pad arbeitete. Interessanterweise kamen auch einige allgemeine Fragen, die sonst wohl im Laufe der Sitzung nicht gestellt worden wären. Die restlichen Beiträge waren Protokollergänzungen. Das kollaborative Schreiben irritierte zunächst, da z.B. Textblöcke wie von Zauberhand an einer anderen Stelle auftauchten und manche Punkte doppelt genannt wurden.  In dieser ersten Sitzung gab es auch kaum eine Trennung von Hauptfenster und Chat. Diese etablierte sich zunehmend in den folgenden Wochen.

Führung

Leider verfestigte sich auch die “Hierachie” im Pad, in den folgenden Wochen war ich Hauptprotokollant, der vorsichtig ergänzt wurde und nebenbei noch Fragen beantwortete. Über die Grenzen des Machbaren ging es vor allem dann, wenn ich mich selbst verstärkt in die Diskussion einklinkte. Die einzelnen Seminarmitglieder hatten offensichtlich Schwierigkeiten, dann selbst federführend zu protokollieren.
So kommt es, dass manche der Sitzungspads recht detailliert die Referatsinhalte protokollieren und nur teilweise die Diskussion abbilden, welche ich dann oft im Nachhinein zu rekonstruieren versuchte.

In den letzten Wochen versuchte ich die Teilnehmer stärker zu involvieren und kündigte zu Beginn der Sitzungen eine Abwandlung des Experiments an: Ich selbst würde während der Sitzung im Hauptfenster nichts schreiben. Die Gruppe war gefordert, gemeinschaftlich ein Protokoll zu erstellen.
In der ersten Woche passierte dabei nicht viel. Einige Teilnehmer hatten das Pad für sich als “passives” Medium genutzt, beteiligten sich nie, lasen während der Sitzung dort aber mit. Auch andere waren sichtlich irritiert davon, in ein leeres Pad drauf los zu schreiben.
Interessanterweise lief es in der zweiten Wochen meiner Zurückhaltung deutlich besser. Mehrere Teilnehmer beteiligten sich an der Enstehung.
Eine wichtige Erkenntnis dabei ist: Natürlich kommt es auch hier auf die Personen drauf an.
Ein diskussionsfreudiger Teilnehmer, der sich in der ersten Zwischenevaluation als starker Pad-Befürworter positionierte, war im zweiten Durchlauf das “Zugpferd” des Protokolls. Er war die Woche zuvor nicht anwesend und verleitet mich so zu der Annahme, dass es für den Seminarkontext 1-2 klare Hauptprotokollanten geben sollte.

Evaluation

Während des Seminar gab es 2 Evaluationsrunden. Nach circa der Hälfte der Sitzung gab es einen Fragebogen zur Veranstaltung, der auch mediendidaktische Punkte abfragte. In der letzten Sitzung habe ich dann noch verbal Feedback, insbesondere zu den Pads, erbeten.

Die schriftliche Evaluation nach erst 3-4 wöchiger Bekanntschaft mit den Pads ist wohl sehr begrenzt aussagekräftig.

Leicht im Vorteil ist hier die Nutzung im Nachhinein, als Protokoll, welches eine Ergänzung zu den jeweiligen Referatspräsentationen ist.
Die mündlichen Rückmeldungen in der letzten Seminarwochen waren ausgesprochen plastisch.
Ein Großteil der Teilnehmer äusserte sich positiv über die Pads. Genannte Vorteilen waren:

  • Möglichkeit, Fragen zu stellen, ohne die Referatsgruppe und den Fluß zu unterbrechen
  • Fragen stellen zu können, die nicht unbedingt thematisch passten
  • sich anonym, ohne Wortmeldung beteiligen zu können
  • unmittelbar Rückmeldungen vom Seminarleiter und den anderen Teilnehmern zu bekommen
  • die einfachere Verteilung von Links
  • aktive Informationsaufnahme und direkte Weiterverarbeitung
  • Möglichkeit, verpasste Sitzungen nachzulesen
  • als erste Anregungen für schriftliche Arbeiten

Als negativer Punkte wurden die erwähnten technische Probleme mit der Synchronität bei vielen Nutzern genannt. Ebenfalls gab es die Rückmeldung, dass das Mitlesen des Pads während des Referats subjektiv als Ablenkung empfunden wurde. Die Teilnehmerin beschloss daher, die Pads während der Seminare nicht aufzurufen, was für mich auch eine Form von Medienkompetenz ist.

Mein eigener Eindruck ist verhalten positiv. Ich denke, dass es für viele Teilnehmer eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Referatsthema bedeuten kann, wenn parallel dazu sich kollaborativ ausgetauscht wird. Auch die Verfügbarkeit im Nachhinein wird sich hoffentlich für einige Teilnehmer künftig noch als wertvoll erweisen. Dadurch, dass im Seminarraum PCs zur Verfügung stehen, bin ich sehr froh ein konstruktives Angebot machen zu können. Subjektiv hat sich das private Surfen während der Sitzungen im Vergleich zu den Vorseminaren durch diese Beteiligungsmöglichkeit deutlich verringert.

Ausblick

Auch im kommenden Semester plane ich mit dem Pads weiter zu experimentieren. Als Learning aus diesem Semester werde ich selbst weniger mitschreiben. Stattdessen plane ich, in jeder Sitzung 1-2 freiwillige Hauptprotollanten zu gewinnen, die von anderen interessierten Teilnehmern unterstützt werden können. Zusätzlich werde durch die Anregung in den Kommentaren des ersten Teiles die Pads den Referatsgruppen frühzeitig zur Verfügung stellen. So können diese als Ergänzung zu den eigenen Arbeitsgruppen auf Olat für die Referatsvorbereitung genutzt werden.

Wie immer freue ich mich über Tipps und Kommentare und bedanke mich für das Lesen.

Zum bereits fünften Mal findet heute, am Dienstag den 07. 02. 2012, der Safer Internet Day statt. Der SID ist ein von der Europäischen Union initiierter jährlich veranstalteter weltweiter Aktionstag für mehr Sicherheit im Internet. In Deutschland koordiniert die Informationsplattform www.klicksafe.de die Aktionen.
Auch SicherDeinWeb leistet einen Betrag zum bewussten Umgang im Internet.

Die Foto-Ampel (www.foto-ampel.de) ist eine starke Kommunikationshilfe, um ungefragter Foto-Hochladerei zu begegnen. Gemeinsam mit Unterstützern wie dem MuK Hessen, dem Infocafe Neu-Isenburg und dem präventiven Jugendschutz Frankfurt machen wir die Aktion publik und fordern Nutzer auf, Farbe zu bekennen.
Welche Farbe passt zu Ihnen? Binden Sie die passende in Ihr Profil ein und geben auch Sie Ihrem Umfeld einen Impuls, welchen Umgang mit Fotos Sie sich online wünschen!

Die Aktion ist selbstverständlich kostenlos und bleibt auch nach dem SID 2012 bestehen.
Nutzen Sie die Foto-Ampel gerne für Ihre Arbeit mit z.B. Jugendlichen oder für Ihr privates Umfeld, natürlich tragen wir Sie gerne auch als Unterstützer / Befürworter der Aktion ein. Schicken Sie uns dazu einfach eine Mail an info@foto-ampel.de
Constanze Kurz vom CCC und andere sind bereits dabei!

Against Cybermobbing Banner
„Against Cybermobbing“ – so der Titel des diesjährigen Schülervertretungstag der Eichendorffschule am 23.01.2012 in Kelkheim. Unter diesem Motto initierte die SV an diesem Tage und darüber hinaus verschiedene Aktionen, die zu einer nachhaltigen Sensiblisierung und gesteigerter Handlungskompetenz beitragen können, wie:

  • Austausch aller Klassenvertreter vor und nach dem gemeinsamen Anschauen des Films Homevideo
  • Offene Podiumsdiskussion unter der Leitung der SV mit dem Schulleiter, der Schulsozialarbeiterin, einem Schulpsychologen, einer Vertreterin der Polizei Kelkheim, sowie mir als Medienpädagogen
  • Vortrag von Günter Steppich
  • Unterzeichnen des Aktions-Banners durch alle Klassensprecher
  • Vorstellung und Verteilung einer gemeinsamen 5-Punkte-Erklärung für alle Klassen
  • Verbreitung der Informationen und Präventionstipps in alle Klassen durch die jeweiligen Klassensprecher

Interaktive Podiumsdiskussion
Der ganze Tag zeichnete sich durch eine sehr gute Organisation und eine hervorragende Vorbereitung auf das Thema aus. Die Leitung (SV) der Diskussionsrunde verstand es sehr gut, das Thema Cybermobbing vielschichtig zu beleuchten.
Schulpsychologe Harald Weber stellte sehr eindringlich die Wechselwirkungen zwischen psychologischen und sozialen Dynamiken rund um den Sozialraum Schule dar. Frau Morgenstern (Polizei Kelkheim) machte die strafrechtlichen Konsequenzen deutlich. Schulsozialarbeiterin Fr. Rosenberg betonte insbesondere die zentrale Rolle der Zeugen und Mitläufer im Mobbingprozess und zeigte konkrete Ansprechpartner auf. Schulleiter Hr. Stender-Mengel machte den Umgang der Schule bei etwaigen Fällen transparent und wirkte sehr interessiert an Prävention, die eben auch soziale Strukturen miteinbezieht.

„Facebook, meine Schüler und ich“
Die Interaktion mit den anwesenden Klassensprechern war sehr lebhaft und von einem konstruktiven Klima geprägt. Insbesondere beim Thema „Umgang von Lehrern und Schülern auf Facebook“ entstand eine spannende Diskussion.
Die stark variierenden Nutzungsmuster der einzelnen Lehrer, sowie das Fehlen von Erfahrungswerten machen eine Orientierung der Jugendlichen auf Facebook schwierig. Muss ich eine Freundschaftsanfrage meines Lehrers annehmen? Sollte man Facebook grundsätzlich für schulische Zwecke nutzen?
Aktuelle Fragen, die wir planen in einer Lehrerfortbilung „Facebook, meine Schüler und ich“ mit der Eichendorffschule zu klären versuchen.

Vortrag von Günter Steppich
Im Anschluß an die Diskussionsrunde fasste Günter Steppich viele Punkte lebendig zusammen und hatte einige konkrete Tipps und klare Ansagen. Er betonte die Bedeutung der präventiven Medienarbeit, die auch Fortbildungen für z.B. Lehrer zwingend miteinschließt, denn „wenn die Polizei ins Boot geholt werden muss, ist vorher alles schiefgelaufen, was schieflaufen konnte“. Zum Ausbremsen von Facebook-Cookies empfiehlt er das Firefox Add-on Ghostery.

Weitere Thematisierung in den Klassen
Die intensive und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema soll nicht an diesem Tage enden. Die Klassensprecher tragen eine 5-Punkte-Erklärung mit in ihre Klassen und nutzen die um über Ihre Erfahrungen des SV-Tages ausführlich zu berichten.
Die 5-Punkte der Erklärung sollen eine grundsätzliche Einstellung sowie konkrete Handlungaufforderungen transportieren:

  1. Wir sind gegen jede Form von Mobbing
  2. Cybermobbing ist feige und verletzend
  3. Wir pflegen on- und offline einen respektvollen Umgang
  4. Falls ich mich verletzt fühle, wende ich mich an Vertrauens-, Klassenlehrer und die Schulsozialarbeit
  5. Falls ich Mobbing bemerke, informiere ich Vertrauens-, Klassenlehrer und die Schulsozialarbeit

Positives Tagesfazit
Ganz grundsätzlich möchte ich exemplarisch 3 positive Punkte des Tages aufzeigen:

  • die Loslösung von einer Täter-Opfer-Schablone in der Auseinandersetzung mit Mobbingprozessen
  • die Gestaltungskraft einer gut organisierten und interessierten SV, die von Ihrer Schule die entsprechende Unterstützung und Freiräume bekommt
  • die Offenheit der Schule, nach Innen und Aussen aktiv und gemeinsam soziale Normen im Umgang mit Medien zu entwickeln

Ausblick
Ich denke und hoffe, dass dieses Thema nachhaltig in das Bewusstsein der Schule verankert wurde und weitere Veranstaltungen, auch für Eltern und Lehrer, folgen werden.
Ein Peerkonzept, welches ausgebildete Schüler als Ansprechpartner in den Klassen installiert, kann zu einem nachhaltigen und selbstorganisiertem Umgang beitragen.

Diesen Bericht habe ich für SicherDeinWeb geschrieben und dort zuerst veröffentlicht.
Fotos: SV der Eichendorffschule

Seit dem Wintersemester 09-10 darf ich an der Goethe Universität Frankfurt am Fachbereich Erziehungswissenschaften einen Lehrauftrag im Bachelormodul 10 “Neue Medien” wahrnehmen. Natürlich soll es dabei nicht nur theoretisch und reflektierend um Medien gehen. Das Einbinden von Medien im meinem Lernarrangement sowie die Gestaltung von Medien durch die Studierenden ist integraler Bestandteil des Seminars.

Mit diesem Beitrag möchte ich gerne mein aktuelles Konzept für das nächste Woche beginnende Seminar vorstellen und hoffe auf erkenntnisreiche Rückmeldungen.

Im Kern sind es 4 wichtige Medienwerkzeuge, die zum Einsatz kommen werden:

1. Lernplattform Olat
Ab dem kommenden Wintersemester 11-12 setzt die Goethe Universität auf eine Lernplattform. Die bisherige Plattform “WebCT” der amerikanischen Firma Blackboard wird durch das Open-Source System Olat ersetzt. Der Wechsel von einem Lizenzmodell auf eine Open-Source Lösung ist kleiner Paradigmenwechsel: Anstatt Lizenz und Support teuer einzukaufen, wird lieber in Mitarbeiter investiert, die die spezifischen Wünsche der Uni und alle ihrer Fachbereiche passgenau umsetzen können.
Olat bringt eine neue Struktur mit. Wo WebCT sehr hierarchisch organisiert ist, haben die Studierende nun mehr Möglichkeiten, selbst Material in Kurse einzubringen und selbst eigene Gruppen zum Austausch zu Gründen.

Ich selbst nutze Olat für diese Dinge:
# Informationen bereitstellen: Kontakt, Credit-Point Erwerb, Referentenanforderungen, Linkliste, WordPress-Hilfen, Präsentationen…
# Formales: Um später die CPs an das Prüfungsamt rückmelden zu können, brauche ich eine digitale Teilnehmer-Liste. Diese generiert sich einfach über die Angaben der Teilnehmer in einem “Fragebogen” (so heisst der Baustein auf olatisch). Das Entziffern und Abschreiben handschriftlicher Angaben auf wöchentlich zirkulierenden Listen entfällt.
# Kommunikation: Neben einem Mailsystem bietet Olat natürlich auch Foren. Diese machen die sich wiederholenden Fragen zu Inhalt & Technik transparent. Zusätzlich kann auch über Chat etc gearbeitet werden.
Ich bin sehr gespannt auf das erste Semester mit Olat und die Akzeptanz seitens Studierender und Lehrender.

2. Etherpads
Die freundlichen Kollegen von studiumdigitale haben mir sehr schnell eine Etherpadkonfiguration
auf Servern der Uni Frankfurt eingerichtet. So muss ich nicht auf Angebote anderer Anbieter wie z.B. Google zurückgreifen, die Datenhoheit ist gewahrt.
Etherpads sind onlinebasierte, kollaborative Schreibwerkzeuge. Ein schönes Video dazu gibt es z.B. hier. Als Experiment möchte ich testen, wie man diese in Seminaren sinnvoll einbinden kann. Die Idee ist, den Teilnehmern in Sitzungen mit Referaten, einen zweiten Beteiligungskanal (neben dem mitdiskutieren im Seminarraum) zu ermöglichen. Insbesondere in den Diskussionanteilen der Referate sehe ich großes Potential:
a) In der Regel beteiligt sich über ein Semester nur ein Teil der Studierenden an den Diskussion. Vielleicht liegt manchen ein textbasierter Zugang mehr?
b) Die Ergebnisse und Gedanken sind sehr flüchtig. Im Pad, so die Hoffnung, kann ich geäusserte Ideen und Gedanken festhalten. Dies ist für die Nachbereitung und natürlich für mal verhinderte Studierende eine Art Gedankenprotokoll.
Ich bin gespannt, wie das Pad genutzt wird, allen Teilnehmern wird das Angebot der Beteiligung gemacht. Ich sehe momentan meine Rolle bei den Teilnehmerseminaren als Mittler zwischen der Präsenzdiskussion und den Inputs, die über das Pad kommen.

3. Bookmarksammlung
Seit April 2010 organisere ich medienpädagogisch relevante Links über mein Delicious-Konto.
Das Arbeiten mit Tags (Schlagwörtern) ist für die Verwendung als Seminarwerkzeug elementar. Die Studierenden (und natürlich auch alle anderen Interessierten) können über die Tagdarstellung direkt nach Ihren Schlüsselbegriffen suchen, um sich einen schnellen Überblick zu verschaffen.
Leider ist durch die aktuelle Renovierung von Delicious die Tagliste etwas unter die Räder gekommen. Momentan wird nur eine Auswahl der verfügbaren Tags als Liste angezeigt. Ich finde für Externe keinen Weg, sich alle Tags meiner Sammlung anzeigen zu lassen. Sollte das nicht bald wieder funktionieren, werde ich zu Diigo wechseln.

4. Blogs der Teilnehmer
Die Prüfungsordnung Bachelor sieht vor, dass die Studierenden Ihre “aktive Teilnahme” nachweisen. Anwesenheitslisten empfinde ich als beidseitige Belästigung ohne didaktisches Potential. Stattdessen nutze ich den Hebel, um die Teilnehmer für eine eigene Mediengestaltung maximal zu motivieren. Alle Teilnehmer werden wie bisher einen eigenen Blog auf WordPress (der gehosteten Gratisversion) aufsetzen und über das Semester mit Inhalt füllen. Inhaltliche Vorgaben gibt es nicht, es geht um die individuelle Auseinandersetzung mit der Medientechnik. Natürlich werden die Teilnehmer von Peers zu Beginn des Seminars in das System eingeführt und bekommen auch konkreten Hinweise auf rechtliche Stolpersteine.
Bisher ist die Resonanz auf die Methode sehr gut. Die Skepsis zu Beginn weicht bei den meisten Recht schnell der Begeisterung über eine eigene Seite. Ich kommuniziere einen Anspruch von 5+5 (eigene Beiträge + Kommentare auf anderen Teilnehmerblogs). Alle URLs werden in Olat in einem Forum gepostet, so kann eine Mikroblogosphäre des Seminars entstehen.

Ergänzend könnte man noch Twitter und Facebook in die Werkzeugliste aufnehmen. Dort können Studierende z.B. meine Aktualisierungen abonnieren und so auch ausserhalb des Seminarkontextes auf medienpädagogische Themen hingewiesen werden. Ich sehe die beiden Kanäle für die Seminargestaltung als nebensächlich an und lasse Sie daher raus.

Am Ende des Semester werde ich sicherlich meine Eindrücke, insbesondere zum Etherpad, hier sortieren. Ich bin sehr neugierig zu sehen, welche Eigendynamiken die Pads nehmen und wie die einzelnen Bausteine des Seminars miteinander greifen.

Welche Erfahrungen mit Pads in Seminaren gibt es bereits? Wie kommen die Studierenden bei Delicious an meine komplette Tagliste? Fragen und Kommentare immer gerne gesehen, danke fürs Lesen :)

Neue Medientechnologien wie soziale Netzwerke haben einen großen Einfluss auf unser Sozialverhalten. Die Funktionsstruktur der jeweiligen Netze gibt zwar den Rhythmus vor, dennoch liegt es an uns Nutzen, was wir daraus machen. Die im ersten Teil der Reihe aufgeworfenen Fragen wurde bisher nur unausgesprochen beantwortet:

Kann ich eine digitale Freundschaftsfrage ablehnen? Kann ein Lehrer einen Schüler oder ein Mitarbeiter seinen Kollegen ablehnen, ohne in Erklärungsnöte zu kommen?“

Zeit für eine Aktualisierung, die auch das neue Netzwerk Google + mit einbezieht und auf die speziellen Strategien von Pädagogen eingeht.

Google + gleicht bei Freundschaftsanfragen Twitter

Quelle: technobombs.com

Google+ ist insbesondere in einem Punkt ein starkes Kontrastmittel zu Facebook. Freundschaften bei Facebook sind beidseitig, beide sehen die Aktualisierungen des Anderen (falls nicht in den Privatsspähre-Einstellungen abgeriegelt). Google+ lehnt sich in dieser Frage an die Funktionsstruktur von Twitter an. Nutzer A kann Nutzer B „Folgen“, ohne das zwangsweise Nutzer B auch die Aktualisierungen von Nutzer A zu sehen bekommt.

Facebook mit Vollzugriff auf persönliche Daten

Nach Facebooks innerem Design lautet die Antwort auf die oben aufgeworfene Frage: „Ja klar“. Das Befreundet-sein auf FB ist quasi ein Vollzugriff auf alle eingestellten Daten wie Profilinformationen, Fotos, Kommentare usw. Erst spät und auf Wunsch vieler Nutzer ermöglichte es FB, Freunde zu gruppieren und gezieltere Kommunikation zu ermöglichen.

Eben dies hat Google+ deutlich handlicher in sein Design integriert. Die Handhabung der Circles ist deutlich intuitiver als Facebooks Listen-Menu.
Nun bessert Facebook deutlich nach. Die vergangenen Änderungen und die absehbaren kommenden stellen das Prinzip der Listen deutlicher heraus.

Sollten mehr Nutzer dieses Prinzip annehmen und Ihre Freunde sortieren, ist ein stärker Trend zum „Add all“ erwartbar. Es obliegt stärker der Eigenverantwortung des Senders, die Empfänger den Inhalten anzupassen. Dennoch denke ich, dass es nach wie vor vollkommen legitim ist, Freundschaftsanfragen nicht anzunehmen. Die Verknüpfung zweier Profile ist mehr als die Frage „Wer sieht was?“. Das komplette Offenlegen seines sozialen Graphen, selbst wenn es „nur“ seinem Anbieter gegenüber ist, ist kein Zwang.

Neben dieser grundsätzlichen Überlegungen gibt es für jede Beziehungsart Besonderheiten.

Lehrer auf Facebook

Die pädagogische Nähe-Distanz-Balance wird in sozialen Netzwerken neu justiert. Auf einem Barcamp mit Lehrern haben meine Kollegen von SicherDeinWeb neulich mit Lehrern über ihre perönlichen Facebookstrategien diskutiert. Manche Lehrer nutzen trennen strikt zwischen Klassenraum und der Welt ausserhalb, andere nutzen Ihre Klarnamenprofile auch für Lehrertätigkeiten ausserhalb der Schulzeit.
Wie es auf jeden Fall nicht geht, zeigt dieser Artikel
Etwas konstruktiver blickt dieser Artikel auf die vielfältigen Fragen im schulischen Umgang auf sozialen Netzewerken.

Die anhaltende Debatte um Klarnamen, Pseudonyme und Anonymität im Netz, welche Google+ mit seinem Klarnamenzwang mitgestaltet, bildet zur Freundesfrage einen interessanten Bezugsrahmen.

Adden Sie bewusst alle Anfragen? Lehnen Sie welche ab? Fühlen Sie sich dann unter Rechtfertigungszwang? Wie gehen Sie als Lehrer mit sozialen Netzwerken um?

So geht es weiter:

Im kommenden dritten Teil lege ich den Schwerpunkt auf Fotos in sozialen Netzwerken, welche durch die Weiterentwicklung der Geschichtserkennung an Bedeutung gewinnen.