Mediendidaktik im Hochschulseminar – Rückblick WiSe 11-12 – Etherpads

Mittwoch, Februar 29, 2012

Der Frühling steht vor der Tür, das Wintersemester ist Geschichte. Zeit, sich mit dem Wirken der Etherpads auseinanderzusetzen. Im ersten Teil erfahren Sie mehr über das mediendidaktische Settings des Seminars.

Einstieg

Nach 3 Sitzungen mit Inputs von mir sowie der handlungsorientierten Einführung in die Blog-Software konnte das Experiment beginnen. Als eben solches angekündigt, führt ich zu Beginn eines Teilnehmerreferats in die Technik der Etherpads ein. Dabei skizzierte ich auch die Nutzungsmöglichkeiten “kollaboratives Protokoll” im Hauptfenster und “Nebenfragen” im Chatfenster, appellierte aber auch an die Experimentierfreude der Teilnehmer.
In dieser Sitzung waren ca. 80 Studierende anwesend und der Großteil stürmte auch direkt ins Pad.
Hier offenbarten sich bereits einige Technikherausforderungen:

  • Ab ca. 30 zeitgeleichen Nutzer kam es zu Schwierigkeiten mit der Synchronität, oftmals musste der Nutzer die Seite neu laden. Ursachen können auch beim WLAN liegen oder des großen Zugriffs über die selbe IP geschuldet sein. Keinem der gut 60 ausprobierenden Teilnehmern blieb der Padzugriff verwehrt, die Performancenachteile verteilten sich auf alle Nutzer.
  • Teilnehmerrückmeldungen nach gab es mehr Probleme mit dem Internet Explorer als mit dem Firefox
  • In der von mir benutzen Version gibt es 32 verschiedene Farben, die Nutzern zugeordnet werden. Diese kamen dann natürlich auch doppelt vor, was die bereits existierende Farbverwirrung noch vergrößerte.

Ich forderte alle Teilnehmer auf, sich bei Interesse durch Fragen und Mitschriften zu beteiligen und betonte, dass die Farben bzw. die Autorenschaft für uns eher nebensächlich sind. Die inhaltliche Hauptarbeit des Protokollierens und Anreicherns übernahm ich. Leider, wie ich noch ausführen werde.

Die Beteiligung der Teilnehmer war sehr groß, wobei ca. 60-70% der Beiträge Fragen waren. Diese bezogen sich oft auf das Thema und waren Verständnisfragen, Literaturwünsche und auch Diskussionsimpulse. Manche beantwortete ich direkt im Pad, Impulse für die Gruppe verbalisierte ich an die Referatsgruppe zurück, die während der Sitzung selbst nicht mit dem Pad arbeitete. Interessanterweise kamen auch einige allgemeine Fragen, die sonst wohl im Laufe der Sitzung nicht gestellt worden wären. Die restlichen Beiträge waren Protokollergänzungen. Das kollaborative Schreiben irritierte zunächst, da z.B. Textblöcke wie von Zauberhand an einer anderen Stelle auftauchten und manche Punkte doppelt genannt wurden.  In dieser ersten Sitzung gab es auch kaum eine Trennung von Hauptfenster und Chat. Diese etablierte sich zunehmend in den folgenden Wochen.

Führung

Leider verfestigte sich auch die “Hierachie” im Pad, in den folgenden Wochen war ich Hauptprotokollant, der vorsichtig ergänzt wurde und nebenbei noch Fragen beantwortete. Über die Grenzen des Machbaren ging es vor allem dann, wenn ich mich selbst verstärkt in die Diskussion einklinkte. Die einzelnen Seminarmitglieder hatten offensichtlich Schwierigkeiten, dann selbst federführend zu protokollieren.
So kommt es, dass manche der Sitzungspads recht detailliert die Referatsinhalte protokollieren und nur teilweise die Diskussion abbilden, welche ich dann oft im Nachhinein zu rekonstruieren versuchte.

In den letzten Wochen versuchte ich die Teilnehmer stärker zu involvieren und kündigte zu Beginn der Sitzungen eine Abwandlung des Experiments an: Ich selbst würde während der Sitzung im Hauptfenster nichts schreiben. Die Gruppe war gefordert, gemeinschaftlich ein Protokoll zu erstellen.
In der ersten Woche passierte dabei nicht viel. Einige Teilnehmer hatten das Pad für sich als “passives” Medium genutzt, beteiligten sich nie, lasen während der Sitzung dort aber mit. Auch andere waren sichtlich irritiert davon, in ein leeres Pad drauf los zu schreiben.
Interessanterweise lief es in der zweiten Wochen meiner Zurückhaltung deutlich besser. Mehrere Teilnehmer beteiligten sich an der Enstehung.
Eine wichtige Erkenntnis dabei ist: Natürlich kommt es auch hier auf die Personen drauf an.
Ein diskussionsfreudiger Teilnehmer, der sich in der ersten Zwischenevaluation als starker Pad-Befürworter positionierte, war im zweiten Durchlauf das “Zugpferd” des Protokolls. Er war die Woche zuvor nicht anwesend und verleitet mich so zu der Annahme, dass es für den Seminarkontext 1-2 klare Hauptprotokollanten geben sollte.

Evaluation

Während des Seminar gab es 2 Evaluationsrunden. Nach circa der Hälfte der Sitzung gab es einen Fragebogen zur Veranstaltung, der auch mediendidaktische Punkte abfragte. In der letzten Sitzung habe ich dann noch verbal Feedback, insbesondere zu den Pads, erbeten.

Die schriftliche Evaluation nach erst 3-4 wöchiger Bekanntschaft mit den Pads ist wohl sehr begrenzt aussagekräftig.

Leicht im Vorteil ist hier die Nutzung im Nachhinein, als Protokoll, welches eine Ergänzung zu den jeweiligen Referatspräsentationen ist.
Die mündlichen Rückmeldungen in der letzten Seminarwochen waren ausgesprochen plastisch.
Ein Großteil der Teilnehmer äusserte sich positiv über die Pads. Genannte Vorteilen waren:

  • Möglichkeit, Fragen zu stellen, ohne die Referatsgruppe und den Fluß zu unterbrechen
  • Fragen stellen zu können, die nicht unbedingt thematisch passten
  • sich anonym, ohne Wortmeldung beteiligen zu können
  • unmittelbar Rückmeldungen vom Seminarleiter und den anderen Teilnehmern zu bekommen
  • die einfachere Verteilung von Links
  • aktive Informationsaufnahme und direkte Weiterverarbeitung
  • Möglichkeit, verpasste Sitzungen nachzulesen
  • als erste Anregungen für schriftliche Arbeiten

Als negativer Punkte wurden die erwähnten technische Probleme mit der Synchronität bei vielen Nutzern genannt. Ebenfalls gab es die Rückmeldung, dass das Mitlesen des Pads während des Referats subjektiv als Ablenkung empfunden wurde. Die Teilnehmerin beschloss daher, die Pads während der Seminare nicht aufzurufen, was für mich auch eine Form von Medienkompetenz ist.

Mein eigener Eindruck ist verhalten positiv. Ich denke, dass es für viele Teilnehmer eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Referatsthema bedeuten kann, wenn parallel dazu sich kollaborativ ausgetauscht wird. Auch die Verfügbarkeit im Nachhinein wird sich hoffentlich für einige Teilnehmer künftig noch als wertvoll erweisen. Dadurch, dass im Seminarraum PCs zur Verfügung stehen, bin ich sehr froh ein konstruktives Angebot machen zu können. Subjektiv hat sich das private Surfen während der Sitzungen im Vergleich zu den Vorseminaren durch diese Beteiligungsmöglichkeit deutlich verringert.

Ausblick

Auch im kommenden Semester plane ich mit dem Pads weiter zu experimentieren. Als Learning aus diesem Semester werde ich selbst weniger mitschreiben. Stattdessen plane ich, in jeder Sitzung 1-2 freiwillige Hauptprotollanten zu gewinnen, die von anderen interessierten Teilnehmern unterstützt werden können. Zusätzlich werde durch die Anregung in den Kommentaren des ersten Teiles die Pads den Referatsgruppen frühzeitig zur Verfügung stellen. So können diese als Ergänzung zu den eigenen Arbeitsgruppen auf Olat für die Referatsvorbereitung genutzt werden.

Wie immer freue ich mich über Tipps und Kommentare und bedanke mich für das Lesen.

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